DIE HEIMKEHR DER FREEDOM’S CHILDREN

Freedom’s Children sind eine der besten Bands, die die Welt nie gehört hat! Die Gruppe aus Durban in Südafrika waren die einzige Psychedelic/Progressive-Band des Kontinents, die auf ihren Platten Weltniveau erreicht hat! Auch wenn die drei Alben der Band ziemlich unterschiedlich sind, kann jede einzelne problemlos mit Platten aus England oder den USA aus der gleichen Zeit mithalten. Da die Originale selten zu bekommen sind und noch seltener in einem sammelnswerten Zustand, ist die Box, die das deutsche Sammlerlabel Shadoks vor ein paar Jahren herausgebracht hat, eine willkommene Alternative, um die Musik der Südafrikaner kennenzulernen.

BATTLE HYMN OF THE BROKEN HEARTED HORDE

Freedom's Children
Battle Hymn Of The Broken Hearted Horde

 

Freedom’s Children war eine rein weiße Band, was für Südafrika auf dem Höhepunkt der Apartheid nicht verwundert. Der Name allein war dagegen schon eine offene Provokation des südafrikanischen Regimes. Offensichtlich waren sie gut darüber unterrichtet, was damals vor allem in London gerade angesagt war. So entspricht ihr Debüt Battle Hymn Of The Broken Hearted Horde von 1969 genau dem damals üblichen Verständnis von britischer Psychedelic. Leicht verspielt, mit deutlichen Beatles– und Kinks-Einflüssen, gesprochenen Passagen wie auf Moody Blues – Days Of Future Passed und noch nicht so abgedreht, dass sie nicht mehr im Radio gespielt wird. Kaleidoscope – Faintly Blowing, Rainbow Ffolly, July oder frühe Traffic klingen nicht unähnlich. Titel wie Eclipse, Kafkasque oder Miss Wendy’s Dancing Eyes Have Died deuten die folgende Entwicklung von Freedom’s Children aber schon an. Die Pepsi-Spots am Ende beider Seiten wurde übrigens von der Plattenfirma ohne Wissen der Band eingefügt. Vermutlich hat EMI-Südafrika damit die ganze Platte finanziert.

ASTRA

 

Freedom's Children
Astra

Mit der 2.LP Astra, die ein Jahr später erschien, erreicht die Band ihren Höhepunkt. Das konzeptmäßig aufgebaute Album ist ein Meisterwerk des düster-schwermütigen Heavy-Progressive-Rocks, das sich locker neben andere Meilensteine wie Choice Cuts von Master’s Apprentices, Tear Gas, Czar oder Mercator Projected von East Of Eden stellen kann. Wie bei anderen Alben von 1970 sind hier noch psychedelische Nachklänge zu hören, aber auch der spätere Hardrock deutet sich schon mehr als deutlich an. Insbesondere The Homecoming ist einer jener Tracks, die alleine bereits die ganze Platte wert sind (ähnlich wie der Hammertrack Cecilia von Czar), aber der Rest fällt dagegen kaum ab. Hier könnt Ihr den Titel antesten:  Aileen/The Homecoming  Sänger Brian Davidson’s leichter Tremolo klingt in einigen Passagen ähnlich wie Roger Chapman und Family, mit denen Freedom’s Children auch die Experimentierfreudigkeit teilt. Das einzige, was es aus heutiger Sicht eventuell zu bemängeln gäbe, ist die etwas muffige Aufnahme. Ein luftigerer Klang hätte der Platte sicher noch besser getan, auf der anderen Seite unterstützt der dumpfe Sound zum Teil auch die bedrohliche Grundstimmung. Textlich ist Astra passend zum Titel in galaktischen Sphären des inneren und äußeren Universums angesiedelt, ähnlich wie ihre Zeitgenossen von Hawkwind, ohne dass es allerdings musikalische Ähnlichkeiten gäbe.

GALACTIC VIBES

 

Freedom's Children
Galactic Vibes

Freedom’s Children’s Schwanengesang Galactic Vibes von 1971 klingt trotz des erneut spacigen Titels geerdeter als seine Vorgänger. Das liegt zum einen daran, dass Bandgründer und Bassist Ramsey Mackay hier nicht mehr dabei ist. Vor allem aber hat sich die Band inzwischen für noch härtere Klänge entschieden. Das wird besonders bei der Live-Version von The Homecoming deutlich, die allerdings die einzige „Überschneidung“ mit einem der früheren Alben bleibt. Insgesamt klingt die LP ein bisschen wie Nickelodeon von Master’s Apprentices im Vergleich zum Vorgänger Choice Cuts. Die Zeiten wurden 1971 eben härter. Und so hat Galactic Vibes neben dem unvermeidlichen Drum-Solo deutlich mehr Hardrock-Elemente als frühere Freedom’s Children Alben. Daneben gibt’s auf der B-Seite mit Fields And Me und About The Dove And His King zwei Tracks mit orientalischen Einflüssen in der Art wie Page & Plant das viele Jahre später gemacht haben.

Natürlich hat der Rest der Welt Freedom’s Children bis Ende der 80er Jahre praktisch nie zu hören bekommen, denn in Südafrika saßen die Musiker nicht nur am hintersten Ende der Welt, praktisch abgeschnitten von jeder Promotion, sondern außerdem noch am vom Rest der Welt boykottierten Arsch der Welt. Das ist ausgesprochen schade, denn die Musik hätte schon damals ein größeres Publikum verdient gehabt. Die schon erwähnte Shadoks-Box bietet Euch damit zumindest die Chance, die brilliante Musik von Freedom’s Children wenigstens 45 Jahre später zu entdecken. Die Box enthält alle drei Alben in ihren originalen Klappcovern in einer Hardbox und mit ausführlicher Band-Geschichte. Erzählt mir später nicht, Ihr hättet nichts davon gewußt!

Platten von FREEDOM’S CHILDREN gibt’s hier: Freedom’s Children

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