Pauk Kantner

PAUL KANTNER & SIGNE ANDERSON SIND TOT

Paul Kantner
Paul Kantner

Die Welt ist ungerecht, aber manchmal gibt’s ein paar merkwürdige Synchronitäten: Paul Kantner, früherer Rhythmus-Gitarrist, Sänger und Gründer von Jefferson Airplane und Jefferson Starship ist tot. Er starb am 28.Januar im Alter von 74 Jahren in San Francisco an den Folgen eines Herzinfarkts. Am gleichen Tag verstarb auch die Mitbegründerin und erste Sängerin der Airplane, Signe Toly Anderson an chronischer Bronchitis. Auch sie wurde 74 Jahre alt. Gibt’s wirklich soviel Zufall?

Signe Anderson
Signe Toly Anderson

Während Kantner mit Jefferson Airplane eine Weltkarriere startete, zog sich Signe Anderson nach der ersten noch recht folkigen Airplane-Platte Takes Off ins Privatleben nach Oregon zurück, da sie einen Sohn bekam, den sie nicht ständig mit auf Tourneen schleppen wollte. Angeblich mochten die anderen Bandmitglieder auch ihren damaligen Mann, den Merry Prankster Jerry Anderson, nicht besonders, was ein weiterer Grund für ihren Ausstieg gewesen sein mag. Da sie Matthew Katz, dem ersten Manager der Airplane, aus gutem Grund nicht über den Weg traute, hatte sie eine spezielle Ausstiegsklausel in ihrem Vertrag, dass sie die Band jederzeit verlassen konnte.

Signe's last gig
Jefferson Airplane October 1966 (from l to r)
Paul Kantner, Marty Balin, Spencer Dryden, Jack Casady, Signe Toly Anderson, Jorma Kaukonen

In Oregon lebte sie dann sehr zurückgezogen, auch wenn sie noch ein paar Jahre bei der lokalen Band Carl Smith And The Natural Gas Company sang. Seit Mitte der 70er Jahre litt sie aber immer wieder unter schweren Krankheiten, was sie in den 90ern wegen der Kosten des US-Gesundheitssystems in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten brachte. Daher trat sie auch gelegentlich als Gastsängerin bei der Kantner-Balin-Casady Band und bei Jefferson Starship auf.

Jefferson Airplane
Jefferson Airplane 1967 (from l to r)
Jorma Kaukonen, Paul Kantner, Spencer Dryden, Grace Slick, Jack Casady, Marty Balin

Signe’s ex-Kollege Paul Kantner gehört sicher zu den einflussreichsten Musikern, die San Francisco in den letzten 50 Jahren hervorgebracht hat. Mit Jefferson Airplane wurde er einer der Wegbereiter des Psychedelic Rocks made in San Francisco. Der zum Teil dreistimmige Gesang der Band klang zumindest im Studio oft atemberaubend und für mich sind die Airplane bis heute die beste Psychedelic Band, die je aus Frisco kam. Paul war nicht nur Sänger und Gitarrist, sondern auch für einen großen Teil der Songs der Airplane verantwortlich.

 

Als Signe Andersons Nachfolgerin Grace Slick 1970 von Paul schwanger wurde – ihr gemeinsames Kind China ziert als Baby das Cover des Albums Sunfighter – stieg das Paar aus und gründete das zunächst als Studio-Projekt gedachte Jefferson Starship, bei dem Paul auch mehr als bei den Airplane seiner Leidenschaft für Weltraum und Science Fiction frönen konnte. Die drei Alben Blows Against The Empire, Sunfighter und Baron van Tollbooth And The Chrome Nun gehören bis heute zu den besten Alben aus der Spätphase der San Francisco-Psychedelic. Mit dem immer noch guten, aber wesentlich kommerzielleren Album Dragonfly wurde 1974 aus dem Studioprojekt schließlich die Nachfolgeband der inzwischen aufgelösten Airplane, die zu einer der erfolgreichsten Westcoast-Gruppen der 70er Jahre werden sollte.

Jefferson Starship
Jefferson Starship (from l to r)
Marty Balin, Paul Kantner, David Freiberg, Grace Slick, John Barbata, Pete Sears, Craig Chaquico

Nachdem die Platten von Jefferson Starship trotz großen kommerziellen Erfolges musikalisch immer flacher und glatter wurden – eine Entwicklung, die man leider bei fast allen Westcoast-Bands der späten 70er und frühen 80er Jahre beobachten konnte – stieg Paul 1984 als letztes Gründungsmitglied aus, reklamierte aber den Bandnamen Jefferson Starship für sich. Danach tat er sich mit den ehemaligen Kollegen Marty Balin und Jack Casady zur Kantner-Balin-Casady-Band (kurz KBC-Band) zusammen, aus der schließlich die halbgare Jefferson Airplane-Reunion von 1988 hervorging, die keinen Bestand hatte.

 

 

 

1991 reformierte Kantner Jefferson Starship in der Tradition der Frühsiebziger. Zusammen mit Jack Casady spielte er 1993 auch in Neuss anlässlich der Ausstellung America – The Other Side, wo meine Kumpels und ich das Vergnügen hatten, für Jefferson Starship und Big Brother & The Holding Company die Lightshow zu machen. Später stießen auch Marty Balin und David Freiberg wieder dazu. Auch die Alben aus dieser Zeit wie Deep Space/Virgin Sky oder Windows Of Heaven schließen erfreulicherweise an die Frühzeit der Band an und lassen vergessen, dass das ursprüngliche Starship spätestens ab Earth am Boden zerschellt war.

Danach habe ich Paul noch einmal 2012 in Belgien gesehen zusammen mit seinem Sohn Alexander am Bass und David Freiberg, doch bei diesem Gig wirkte er ziemlich müde. Wer hätte ahnen können, dass dies das letzte Mal sein würde? Das Leben ist ungerecht: Paul und Signe sind tot und Dieter Bohlen lebt immer noch!

Jefferson Starship
Jefferson Starship 2015 from l to r)
Jude Gold, David Freiberg, Cathy Richardson, Paul Kantner, Chris Smith, Donny Baldwin

Platten von PAUL KANTNER and JEFFERSON AIRPLANE findet ihr hier:    Paul Kantner   Jefferson Airplane  

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