Bevis Frond

BEVIS FROND – HOT SAUCE OR NOTHING

Bevis Frond - Example 22 (2015)
Bevis Frond – Example 22 (2015)

Eine neue Platte meines alten Freundes Nick Salomon aka Bevis Frond ist auf dieser Seite immer ein paar Extra-Zeilen wert. Example 22 ist genau das, was der Titel sagt: die 22.LP in 30 Jahren Bandgeschichte einer der außergewöhnlichsten Psychedelic-Bands der jüngeren Zeit. Angefangen hat alles 1986, als die Stadt London Nick ein ordentliches Schmerzensgeld zahlen musste, weil er mit seinem Moped in eine unbeleuchtete Baugrube der Stadt gerauscht war. Diese Kohle investierte er in ein fahrbares Tonstudio und begann, sich selbst im heimischen Schlafzimmer im Multitrack-Verfahren aufzunehmen. So war auf den ersten LPs des Projekts Bevis Frond vom Schlagzeug über Keyboards, Bass, Gesang bis hin zur abgedrehtesten Psychedelic-Gitarre seit Jimi Hendrix alles Nick höchstselbst. Das war nicht nur kostengünstig, sondern hatte vor allem den Vorteil, dass ihm keiner reinquatschte.

Adrian Shaw
Adrian Shaw

 

In den nächsten Jahren wurde aus dem Schlafzimmer-Projekt dann doch eine richtige Band, denn mit dem Erfolg der ersten Platten stieg nicht nur die Nachfrage nach Live-Auftritten, sondern auch Nicks Anspruch an die Tonqualität seiner Alben. Seitdem gehört der ehemalige Hawkwind/Magic Muscle-Bassist Adrian Shaw zur festen Stammbesetzung von Bevis Frond und auch das Schlagzeug wird in der Regel von einem amtlichen Drummer bedient. Dem früheren Schlagzeuger Martin Crowley, der 2014 mit nur 49 Jahren an einer Blutvergiftung starb, ist die aktuelle Platte gewidmet.

 

 

 

Bevis Frond 2015 (from l to r) Dave Pearce, Adrian Shaw, Nick Saloman, Paul Simmons
Bevis Frond 2015 (from l to r)
Dave Pearce, Adrian Shaw, Nick Saloman, Paul Simmons
Bari Watts
Bari Watts

Die weiteren Mitstreiter auf Example 22 sind Dave Pearce (ex-Hawklords & Psycho Mums) am Schlagzeug und Paul Simmons von den Alchemysts an der zweiten Gitarre, der auch schon seit Jahren bei den Live-Gigs dabei ist. Selbst Nicks alter Kumpel Bari Watts (Outskirts Of Infinity) ist nach langer Zeit mal wieder auf zwei Tracks zu hören, die zu den Besten des Albums gehören (I Blame The Rain und Second Son). Natürlich frönt Nick gleich auf mehreren Songs wieder seiner Vorliebe für Byrds-ähnlichen Folkrock, aber die meisten Tracks fallen wie immer in die Sparte Heavy-Psychedelic mit jaulenden Gitarren. Dabei erreicht das fast 9-minütige Pale Blue Blood Neil Young’sches Format und ist trotzdem typisch Bevis Frond. Außerdem gibt es eine schöne Ballade als Hommage an den österreichischen Maler Egon Schiele. Das beste Stück der Platte haben sich die Jungs bis zum Schluß aufgehoben: Well? ist genau das, wofür wir auch frühere Bevis Frond Platten immer gekauft haben: eine elegische Psych-Nummer von über 7 Minuten im Stil von Into The Cryptic Mist, dem Eröffnungsstück von Tryptich mit einer Gitarrenspur über der anderen.

Insofern bietet das vierte Album seit der Wiederbelebung von Bevis Frond 2011 nichts wirklich Neues, aber das in einer so gleichbleibend hohen Qualität, dass man als Hörer damit äußerst zufrieden sein kann. Es gibt schließlich genug, was dauernd schlechter wird. Schön, dass auf ein paar Bands immer noch Verlass ist!

Example 22 und andere Musik von BEVIS FROND findet ihr hier:  Bevis Frond

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